Alte Reithalle Marbach

Die historische Reithalle im Haupt- und Landgestüt Marbach wurde 1860 als Reithaus für den witterungsgeschützten Auslauf der Pferde erbaut. Sie bildet mit den umliegenden Gebäuden des Gestüts ein denkmalgeschütztes Ensemble.

Dem eingeschossigen Hallenbau ist auf der Nordseite ein Treppenhaus mit eigenem Satteldach vorgesetzt. Es führt zu einer Loge im Zwischengeschoss und dem großen ungenutzten Dachraum.

Die historische Reithalle dient ganzjährig dem Übungsbetrieb der Nachwuchspferde.

Daneben wird der Raum mehrmals im Jahr als Versammlungsstätte für bis zu 480 Personen festlich hergerichtet. Der Spagat zwischen den beiden extrem unterschiedlichen Nutzungsanforderungen stand bei den Sanierungsarbeiten im Vordergrund.

Im Übungsbetrieb reichert sich die unbeheizte Hallenluft weit über das übliche Maß hinaus mit Feuchtigkeit an. Zum einen wird über Atemluft und Schweiß der Pferde Feuchte eingebracht.

Zum anderen wird das Sägespan-Gemisch der Tretschicht intensiv befeuchtet um die Staubaufwirbelungen zu minimieren. Zur Verhinderung von Bauschäden wird die Feuchtigkeit künftig mit einer technikfreien Lösung wirkungsvoll abgeführt. Über neue Klappflügel strömt frische Außenluft in die Halle. Die feuchtwarme Luft wird durch Lüftungsgitter nach oben ins Dach abgeleitet und durch die Sogwirkung über Lüftungsläden in den Giebelwänden nach Außen geführt.

Die Unterzüge der sechs Haupträgerachsen werden jeweils von drei prägnanten Abhänglingen aufgefangen.

Die gesamte Flachdecke wurde entsprechend den historischen Farbbefunden homogen in einem hellen Grauton beschichtet. Davon abgesehen unterstreichen gelb gestrichene Holzoberflächen und der Tuffstein mit den roten Ziegelbändern den Charakter der historischen Reithalle.

Für festliche Nutzungen erfüllt die Halle nun die mit einer Versammlungsstätte verknüpften Brandschutzanforderungen. Die dafür benötigte technische Infrastruktur wird hinter der neuen Hufschlagbande geführt. 28 neue LED-Aufbauleuchten tragen zur Gliederung der Flachdecke bei und betonen das Tragwerk.

 

 

Mitarbeit: Stephan Straush

Realisierung: 2019, LPH 1-8 HOAI

Auftraggeber: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen

vertreten durch Carmen Zinnecker-Busch und Heike Müller

Statik: tragwerke+, Markus Vollmer, Reutlingen

IB Elektro, Beleuchtung: Get Solutions, Tobias Pich, Tübingen

Brandschutz: LW KONZEPT, Lilly Wedler

Vermessung: IB Baral, Reutlingen

SiGeKo: Freddi Reiff, Pfullingen

 

Auszeichnungen:

 

"Beispielhaftes Bauen, Kreis Reutlingen 2014 - 2020", Architektenkammer Baden Württemberg

 

 

zu aktuell

 

zu denkmal